Raben in Hessen

Kolkraben Corvus corax in Hessen

Kolkrabenerfassung 1999: In Zusammenarbeit mit der Staatlichen Vogelschutzwarte für Rheinland-Pfalz, Hessen und das Saarland in Frankfurt /M. und der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) wurde von den Autoren im Oktober 1999 eine Erfassung der Kolkrabenvorkommen in Hessen gestartet. Dies geschah mittels Fragebogen, welcher an alle Vertreter der auf Landkreisbasis ehrenamtlich aktiven Ornithologen und Ornithologinnen versandt und überdies hinaus einem Rundschreiben beigelegt wurde. Daten vor 1994 wurden der Auswertung der Indikatorartenerfassung Hessens (1990 - 1993) von M. Hormann (Staatliche Vogelschutzwarte Frankfurt), der Publikation von W. Brauneis (1991), und den folgenden lokalen Avifaunen entnommen: Vogelkundlicher Jahresbericht in Marburg-Biedenkopf (HGON), Vogelkundliche Mitteilungen aus dem Kasseler Raum (Nabu, HGON, Naturschutzring Nordhessen), Vogelkundlicher Jahrebericht für das Mittlere Fuldatal (Naturkundliche Gesellschaft Mittleres Fuldatal e.V., HGON), Naturkundlicher Jahresbericht für das Mittlere Fuldatal (Naturkundliche Gesellschaft Mittleres Fuldatal e.V.), Avifaunistischer Sammelbericht für den Schwalm-Eder Kreis (Schaub, H. & S. Stübing), Vogelkundliche Berichte Lahn-Dill (Arbeitskreis Lahn-Dill, HGON, Nabu). Die über diesen Weg bekannt gewordenen Kolkrabendaten sind in den nachfolgenden Abbildungen dargestellt.

Ausrottung: Auch in Hessen wurde dem Kolkraben sein “schlechter Ruf” zum Verhängnis. Vor seiner Ausrottung hat der Rabe nach Berck (1997) wohl nahezu alle Lebensräume in Hessen besiedelt, die ihm Nistgelegenheiten in Steinbrüchen oder hohen Bäumen mit anschließendem Offenland (Nahrungssuche) boten. Der Verfolgung konnte der Kolkrabe in den größeren Waldgebieten der Mittelgebirgslagen standhalten bis er auch von hier vertrieben wurde.

Die letzte bekannte Brut auf hessischem Boden fand 1912 statt. Sunkel (1926) schrieb: “Das Kapitel über den Kolkraben… …kann leider nichts andere als ein Nachruf sein” (Berck 1997). Nachdem die Gefährdung dieser Art immer offensichtlicher wurde und erste Schutzmaßnahmen ergriffen wurden (auch auf gesetzlicher Basis), begann die Wiederbesiedlung aus den letzten Refugien (Polen, Alpenvorland). Nach 73 Jahren ohne brütende Kolkraben in Hessen konnte 1985 in den Kreisen Hersfeld-Rotenburg und Schwalm-Eder die beiden ersten sichere Brut nachgewiesen werden. Die Wiederausbreitung in Hessen hatte Fuß gefaßt.

Der Prozess der Wiederbesiedlung in Hessen ist noch nicht abgeschlossen. In den regionalen Avifaunen der Ornithologischen Arbeitskreise (HGON, Nabu etc.) ist immer wieder von Erstbruten zu lesen. Brauneis (1991) berichtet über die Wiederbesiedlung des nordhessischen Raumes.

Wiederbesiedlung: Nachdem der Rabe ca. 70 Jahre in Hessen nicht als Brutvogel vertreten war, hat er zu Beginn der 80er Jahre sein comeback gestartet. Wurden die Verfolgungen eingestellt und die ersten (auch gesetzlichen) Schutzmaßnahmen ergriffen, so faßte er langsam wieder Fuß. Nach und nach besiedelte der Kolkrabe von Nordosten kommend die hessischen Landkreise wieder. Die Karten 3 und 4 veranschaulichen die Ausbreitung des Kolkraben in Hessen von 1985 bis 1995. Die Karten von 1912 bis 1998 stellen die Wiederbesiedlung Hessens auf Kreisbasis dar (siehe unten).

Folgende Grafik stellt die Wiederbesiedlung Hessens durch den Raben quantitativ dar. Daten bis 1993 sind Literaturdaten, ab 1994 Daten aus der eigenen Kolkrabenerfassung. Die Literaturdaten sind zum einen teilweise recht ungenau, zum anderen fehlen eigene Daten aus den Kreisen Vogelsberg und Schwalm-Eder für die Jahre 1994 - 1995. Hierdurch läßt sich der scheinbare Bruch von 1993 auf 1994 erklären, der wahrscheinlich auf Datenungenauigkeit zurückzuführen ist. Bemerkenswert ist vor allem der quantitative Anstieg der letzten Jahre: auch in nordöstlichen Kreisen, wo der Kolkrabe schon seit Mitte der 80er Jahre etabliert ist, nehmen die Bestände weiterhin zu. So z.B. im Werra- Meißner Kreis, wo die Anzahl von Brutpaaren von1996 nach 1999 von 16 auf 31 angestiegen ist.. Somit ist ein weiterer Anstieg auch in den nächsten Jahren wahrscheinlich, da mittel- und südhessische Kreise teils noch gar nicht, teils erst in geringen Abundanzen besiedelt sind.

Aktuelle Verbreitung in Hessen: Nach den ersten Brutpaaren im Jahre 1985 hat sich der Kolkrabe inzwischen in vielen Landkreisen als Brutvogel etabliert. Nach Ergebnissen der aktuellen Erfassung sind derzeit 14 Kreise in Hessen wiederbesiedelt. Nachdem Berck (1997) in der hessischen Avifauna noch von 60 Revierpaaren/Brutpaaren ausging, ist aktuell (1998/99) von ca. 110 Brutpaaren in Hessen auszugehen (Müller & Rösner i. Vorb.). Bei nachfolgende Karten ist gerade im mittelhessischen Bereich noch von einigen Datenlücken auszugehen (z.B. Vogelsberg).

Habitatansprüche in Hessen: Entsprechend seiner Autöklogie sind dem Raben artspezifische Ansprüche an das Bruthabitat zuzuordnen. Als Horstbaum benutzt er in Hessen hohe Buchen oder Fichten. Weiterhin sind gute Nahrungsbedingungen in nähe des Horstplatzes wichtig. Da als Jagdhabitat Offenlandschaften bevorzugt werden, liegen Brutplätze überwiegend in Waldrandlagen und arme Böden mit geringer Biomasseproduktion, wie z.B. Buntsandsteinlagen werden offenbar gemiedenn.

Danksagung: Ohne die kräftige Unterstützung vieler Personen wäre die vorliegende Arbeit über die Bestandsentwicklung und aktuelle Verbreitung des Kolkraben in Hessen nicht zu Stande gekommen. Besonders sei der Vogelschutzwarte in Frankfurt, vertreten durch M. Hormann und Dr. K. Richarz, der Hessischen Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie (HGON), sowie Dr. K.-H. Müller vom Fachbereich Geographie der Philipps-Universität Marburg und Anita Hopes (Marburg) gedankt. Die folgenden Personen haben uns uns durch das Zusenden von Erfassungsbögen tatkräftig unterstützt: Dr. Anhut, K.-H.; Arno, W.; Bender, H.; Brauneis, W.; Diehl, O.; Dietz, H.; Dietz, M.; Dressler, B.; Eckstein, R.; Flehmig, B.; Prof.-Dr.-Ing. Friemann, H.; Henning, J.; Herbig, G.; Hettche, E.; Hogefeld, C.; Hormann, M.; Jobst, F.-J.; Jöstingmeier, H.; Jöstingmeier, H.; Korn, M.; Dr. Kreuziger, J.; Lucan, V.; Menning, K.; Norgall, A.; Reifenberg, A.; Reubert, H.; Schäfer, F.; Siebold, D.; Schindler, W.; Schmidt, D.; Schneider, G.; Seum, U.; Stübing, S.; Trieschmann, M.; Veit, W.; Weisenborn; Wissner, H.-E.. Ihnen und allen, die hier vergessen worden sind, sei herzlichst gedankt.

Literatur:

  • Bauer, H.-G. & P. Berthold (1997): Die Brutvögel Mitteleuropas, Bestand und Gefährdung. 2. durchges. Aufl., Aula-Verlag, Wiesbaden.
    Berck, K.-H. (1997): Kolkrabe Corvus corax - Artkapitel in: Avifauna von Hessen, Frankfurt.
    Bezzel, E. (1993): Kompendium der Vögel Mitteleuropas- Passeres, Singvögel. 766 Seiten, Aula Verlag, Wiesbaden.
    Brauneis,W. (1991): Die Wiederbesiedlung des nordhessischen Raumes durch den Kolkraben (Corvus corax), Metelener Schriftenreihe für Naturschutz, Band 2, S.37-40,
    Chadwick, D.H. (1999): Ravens - Legendary Bird Brains. - National Geographic, January 1999, S.100-115.
    Dachverband Deutscher Avifaunisten /Hrsg.), Schriftenreihe des DDA 12, Bonn. Deutscher Avifaunisten (DDA), 6, Bonn.
    Havelka & Ruge (1988): Die Verfolgung der Rabenvögel (Corvidae) in Baden-Württemberg - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.-Württ. 53, S.135-160, Karlsruhe.
    Heinrich, B. (1989): Ravens in Winter. - Summit Books, 379 S., New York.
    Jedrzejewska, B. & Jedrzejewski, W. (1998): Predation in Vertebrate Communities - The Bialowieza Primeveal Forest as a Case Study. - 449 S., Springer-Verlag, Berlin Heidelberg.
    Eislöffel, F.; Isselbächer, K. & T. Isselbächer (1999): Erster Brutnachweis des Kolkraben (Corvus corax) in Rheinland-Pfalz seit 1939.- Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 25, Landau.
    Grünkorn, T. (2001): Bestandsentwicklung des Kolkraben (Corvus corax) in Schleswig-Holsteiun von 1991 bis 2000. - Charadrius 37 (3): 77-80.
    Rösner, S. & T. Müller (2001): Der Kolkrabe Corvus corax in Hessen und Rheinland-Pfalz - Ausrottung, Wiederbesiedlung und aktueller Bestand. Charadrius 37 (3): 109-111.
    Glutz von Blotzheim, U.N. & K.M. Bauer (1993): Handbuch der Vögel Mitteleuropas - Passeriformes, Teil 4, S. 1947 - 2022, Wiesbaden
    Lo Liu-chih (1997) Bruterfolg als Funktion von Ökosystemtyp, Flächennutzung und Konkurrenz bei Corvus corax - Dissertation an der Universität des Saarlandes, Saarbrücken.
    Mech, L.D. (1995): The Wolf. - 8. Aufl., 384 S., University of Minnesota Press, Minneapolis.
    Niethammer, G. (1963): Der Kolkrabe in Mitteleuropa einst und jetzt - Vogelring 31, S.49-54.
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    Rheinwald. G. (1993): Atlas der Verbreitung und Häufigkeit der Brutvögel Deutschlands - Kartierung um 1985. Schriftenreihe des Dachverband
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