Verfolgung und Gefährdung: Bedeutendster Einfluß auf die Kolkraben Populationen wurde durch direkte Verfolgung ausgeübt. Nachstellungen durch Abschuß, Schlagfallen, Giftköder u.ä. dezimierten die Bestände von Kolkraben in Mitteleuropa massiv.
Von den einen als intelligenter Zeitgenosse geliebt und geachtet, von den anderen als “Pestvogel” gehaßt. Tausendfach vergiftet, abgeschossen oder erschlagen, schreiben viele Rabenvogelarten in Europa eine “schwarze Geschichte”. Den Corviden wurde zu Beginn des 19ten Jahrhunderts sehr vehement nachgestellt. Neben Tellereisen wurden Gifte wie Strychnin und Glucochloral (Havelke & Ruge 1988) benutzt, so daß der Kolkrabe durch massive Verfolgung in weiten Teilen Mitteleuropas ausgerottet wurde. In den Niederlanden setzte um 1900 ein starker Rückgang ein, welche zum vollständigen Verschwinden der Art im Jahre 1927 führte (Niethammer 1963). In Belgien brütete letztmals 1919 und in Luxemburg verschwand er schon Ausgang des 18ten Jahrhunderts (Niethammer 1963).

Tote Rabenkrähe Corvus c. corone. Aufgehängt
als archaische Methode zur Abschreckung von
Artgenossen …
In Deutschland kam nach Niethammer (1963) der Kolkrabe einst in allen größeren Waldgebieten als Brutvogel vor. Mitte des 18ten Jahrhunderts war ein Absinken der Bestandsgrößen zu verzeichnen. Um die Jahrhundertwende fehlte der Rabe bereits in Baden-Württemberg, Hamburg, in der Pfalz, in Sachsen, Schlesien, Thüringen und Westfalen als Brutvogel (Niethammer 1988: 50). Mitte des 19ten Jahrhunderts war der Kolkrabe im westlichen Mitteleuropa ausgerottet! Letzte Refugien lagen im norddeutschen Raum, in Polen sowie in der Alpenregion (Niethammer 1963). Erst nach Beendigung der aggressiven Verfolgung durch den Menschen und anfängliche Schutzbemühungen expandierte der Kolkrabe wieder in Richtung seiner ehemaligen Verbreitungsgebiete. Die Wiederbesiedlung wurde genährt von den Teilpopulationen der Rückzugsgebiete.
Teilweise fanden auch Wiedereinbürgerungen statt (Nordrhein-Westfalen, Thüringen). Obwohl der Kolkrabe bereits seit einigen Jahrzehnten wieder in der Ausbreitung begriffen ist, ist bis dato noch nicht das gesamte ehemalige Verbreitungsgebiet wiederbesiedelt. Die Wiedereroberung der ehemaligen Brutgebiete ist bis heute nicht abgeschlossen. In einigen deutschen Bundesländern (Schleswig-Holstein, Mecklenburg Vorpommern) ist er jedoch schon wieder flächendeckend als Brutvogel vertreten.
Nicht nur in Mitteleuropa sondern auch in Nordamerika weist der Kolkrabe eine zunehmende Tendenz auf [Entwicklung des Bestandes in den USA (Grafik , Karte)].
Heutzutage wirken sich Schließung offener Mülldeponien, die Verdrahtung der Landschaft (Stromleitungen etc.) und die Störung an den Neststandorten (Forstarbeiten, Freizeitklettern an Felswänden u.a.) negativ auf die Bruterfolge der Raben aus (Bauer & Berthold 1997). In Zusammenhang mit der sogenannte “Rabenvogelproblematik” besteht die Gefahr der Verwechslung beim Abschuß durch die in sieben Bundesländern bejagte Rabenkrähe.