Ökologie

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Ökologie des Kolkraben Corvus corax

Kennzeichen: Kolkraben. Foto: Sönke MorschDer Kolkrabe ist mit ca. 65 cm Länge (Schnabelspitze bis Schwanzende) und ca. 1.250 g der größte Rabenvogel. Mit seinem rein schwarzen Gefieder und seinem kräftigen schwarzen Schnabel wirkt der bussardgroße Rabe sehr massiv. Das dunkle Gefieder hat je nach Sonneneinstrahlung einen metallischen Schimmer. Im Flug ist der sehr kräftige Kopf mit dem großen Schnabel und der keilförmige Schwanz ein gutes Bestimmungsmerkmal.

Verbreitung: Der Rabe ist nahezu auf der gesamten Nordhalbkugel verbreitet. Er brütet in N-Amerika auf Grönland und den größten Teilen Eurasiens. In der Westpaläarktis brütet er im gesamten skandinavischen Raum, in Osteuropa bis an den Ural, im Süden in der Türkei, in Griechenland, Süditalien, auf den Mittelmeerinseln, in Spanien und Portugal. In Marokko, Algerien und Tunesien kommt er ebenfalls als Brutvogel vor. Bauer & Berthold (1997) geben für Mitteleuropa ca. 12.000 bis 18.000 Brutpaare an.

Ökologie: Der Kolkrabe ist Standvogel, d.h. er zieht nicht und hält sich ganzjährig im Brutgebiet auf. Dies gilt zumindest für adulte Tiere, welche häufig über mehrere Jahre ihrem Partner / ihrer Partnerin treu bleiben (monogame Dauerehe). Junge Tiere wandern auf der Suche nach eigenen Revieren aus dem elterlichen Brutterritorium ab und legen auf ihren Streifzügen mehrere hundert Kilometer zurück. Hierbei schließen sie sich in großen Gesellschaften von bis zu 1.000 Tieren zusammen (Heinrich 1998). Aus dem Winter (1999/2000) ist beispielsweise ein Schwarm von 40 Tieren in Mittelhessen bekannt geworden. Hier halten sie sich bis zu ihrer Geschlechtsreife (nach 3 Jahren) auf und etablieren sich in eigenen Brutrevieren. Er brütet auf Bäumen und in Felsen, baut sich dort sein Nest (Horst) selbst, benutzt den gleichen Horst mehrjährig oder besetzt alte Horste von beispielsweise Greifvögeln. Er brütet relativ früh im Jahr (Februar/März) und legt zwischen zwei und sechs Eier. Im April schlüpfen die vom Weibchen erbrüteten Jungen und fliegen in der Regel im Mai aus.

Kolkrabe (Foto: Sönke Morsch).

Die Raben sind Allesfresser. Vor allem Kleinsäuger aber auch Insekten , Jungvögel, Amphibien u.a. werden erbeutet. Wo verfügbar (vor allem in Naturlandschaften und bei extensiver Weideviehaltung) ist Aas ein wesentlicher Bestandteil in der Ernährung der Tiere, (Jedrzejewska & Jedrzejewski 1998). Insbesondere zu Beginn der Brutsaison im Februar/März wenn andere Resourcen knapp sind und das Nahrungsangebot einen entscheidenden Faktor für den Reproduktionserfolg der Tiere darstellt (Lo Liu-chih 1997) ist die Verfügbarkeit von Aas bedeutend. Raben sind hochgradig auf das auffinden von Kadavern spezialisiert.

Zumeist sind sie die ersten Tiere, die einen Kadaver entdecken (Selva 1999), oft nur einige Stunden nachdem das Tier gestorben ist. Vielfach wird berichtet, daß sie Wolfsrudeln folgen (Heinrich 1998, Mech 1995, Promberger 1992, Chadwick 1999). Ob hier tatsächlich eine raumzeitliche Abhängigkeit besteht wird gerade wissenschaftlich geklärt.

In Mitteleuropa ist der Besuch von offenen Mülldeponien, das Aufsuchen von Straßenopfern oder totgeborenem Weidevieh bekannt. In freier Wildbahn erreicht der Kolkrabe ein Alter von bis zu 20 Jahren und vier Monaten (Ringvogel). In Gefangenschaft ist ein Tier 69 Jahre alt geworden (Bezzel 1993).

Die Nominatform Corvus corax umfaßt 5-8 Unterarten. Zur Gattung Corvus zählen drei weitere Arten. In Europa kommen insgesamt elf Arten der Corvidenfamilie vor.